Samstag, 4. Juni 2016

|Rezension| "Rebel of the Sands" von Alwyn Hamilton

Rebel of the Sands | Alwyn Hamilton | Viking Books for Young Readers | Englisch | Taschenbuch | ca. 8€ | Kaufen?
  
She’s more gunpowder than girl—and the fate of the desert lies in her hands.

Mortals rule the desert nation of Miraji, but mystical beasts still roam the wild and barren wastes, and rumor has it that somewhere, djinni still practice their magic. But there's nothing mystical or magical about Dustwalk, the dead-end town that Amani can't wait to escape from.

Destined to wind up "wed or dead," Amani’s counting on her sharpshooting skills to get her out of Dustwalk. When she meets Jin, a mysterious and devastatingly handsome foreigner, in a shooting contest, she figures he’s the perfect escape route. But in all her years spent dreaming of leaving home, she never imagined she'd gallop away on a mythical horse, fleeing the murderous Sultan's army, with a fugitive who's wanted for treason. And she'd never have predicted she'd fall in love with him...or that he'd help her unlock the powerful truth of who she really is.

 
Two Steps From Hell habe ich seit meiner Vorbereitung der Turnküren wieder für mich entdeckt, und unter anderem dieses Lied für genau so ein Buch gespeichert, für ein Buch mit Pistolenschüssen und Wüstensand und einfach dieser ganz besonders Atmosphäre, die verlangt von genau so einem Lied untermalt zu werden (Das Video hierzufinde ich allerdings ziemlich beschissen, aber finde gerade kein anderes, tut mir leid, am besten ignorieren...:/)

 
Irgendwie fasziniert mich der Orient, all die Geheimnisse und Geschichte, die zwischen Sand und Hitze warten. Irgendwie fasziniert mich der Wilde Westen, mit seiner rostigen Härter, seinen blutigen Humor und Wüstenstädtchen. Und wie genial ist es bitte, wenn genau zwei Dinge, die einen derart faszinieren, zusammengefasst werden, um als Setting für eine Geschichte zu dienen. Wenn du auf einmal mit Kamelen durch die endlosen Weiten der Wüsten reiten kannst, während du versuchst einen Zug zu erreichen und mit einem Pistole unterwegs bist. Ich liebe es, wenn Autoren auf diese Weise probieren, etwas Neues zu schaffen, frischen Wind durch Intertextualität zu bringen, und sich von der Masse abzuheben. Nur leider macht ein geniales Setting nicht automatisch ein geniales Buch.


In dem Buch geht es um die 17jährige Amani, die bei ihrem Onkel und ihrer Tante zusammen mit vielen ihrer Cousins lebt, die schießen konnte, bevor sie lesen konnte, ihr Leben lang schon von einer Flucht in ein besseres Leben träumt, und dieses Traum gezwungen ist, in die Tat umzusetzen, als ihr Onkel sie an sich selbst zwangsverheiraten will….


Wie ich schon oben erwähnt habe: Das Setting hat mich dazu gebracht, dieses Buch lesen zu wollen, und auch während des Lesens hat das Setting es immer wieder geschafft, mich zu begeistern. Als ich noch jünger war, habe ich Sonntagnachmittag mit meinem Opa immer Westernfilme geschaut, und irgendwie fühlt sich diese raue Atmosphäre, die rostige und blutige Gestalt des Westens so vertraut an. Und auf der anderen Seite habe ich mich nun, Jahre, nachdem ich die 1001 Nacht Märchen gelesen habe, wieder in den Orient als Setting verliebt. An beiden Dingen hängen als Kindheitserinnerungen, was vielleicht etwas seltsam oder verstörend klingt, aber dies führte dazu, dass ich mich einfach in die Welt verliebt habe, sie sich wie in einer Märchenneuerzählung zwar vertraut angefühlt hat, aber es gab einfach trotzdem so viel neues zu entdecken. Es hat mir so viel Spaß gemacht, zu erkunden, wie die Autorin es geschafft hat, den Westen mit dem Orient zu verknüpfen. Und manchmal war das etwas trashig, wenn man hört, das mit Pistolen rumgeschossen wird, während man auf einem Kamel galoppiert und das Züge durch eine Wüstenlandschaft brausen, in welcher gleichzeitig turbantragende Menschen rumlaufen und Geschichten über Magie geflüstert werden. Aber irgendwann war dieses fast schon an Steampunk erinnernde Setting in eine gute Harmonie gebracht und ich persönlich hab es wirklich sehr gerne gemocht. Es war auf ganz einfach Weise frischer Wind in der Welt der Orientneuerzählungen.


Auch die Story hat sich sehr an das Setting angepasst, sodass wir einerseits typische Elemente gefunden haben, die wir nur in Orientmärchen erwartet hatten. Geschichten über Djinns und Pferde aus Sand, Wüstenmeere und Sultanssöhne. Auf der anderen Seite hatten wir aber auch Kneipen, in denen Schießduelle praktiziert wurden und man gerne seine Kopf riskierte, riesige, fahrende Eisenkerne namens Züge, die die Wüsten“idylle“ durchstießen, und auf welchen wir halsbrecherische Verfolgungstouren erlebten. Ich mochte die Story zu Beginn sehr, ich hatte das Gefühl, wir hatten zwar nicht komplett einen roten Faden, aber ein Ziel und viel Spielraum, um ganz viel von dieser tollen Welt zu entdecken und diese grandiose Bühne mit Schauspiel zu füllen, und die ersten hundert bis zweihundert Seiten haben gute Szenen gebracht, es war nicht übermäßig genial oder etwas, was mich aus den Socken gehauen hat, aber sie haben Spaß gemacht, teilweise waren sie sogar richtig spannend, und ich mochte es, wie sich alles entwickelte, wie wenig Platz die Liebesgeschichte hatte und wie angenehm langsam sie sich entwickeln konnte. 

 
Allerdings hat auch Hamilton die Angewohnheit, wie leider viele AutorIn, die letzten hundert Seiten ganz anders zu machen als den Rest des Buches. Das kann ein geniales Erzählmittel sein, einen Plottwist beinhalten, den Leser vom Hocker schmeißen und dem Buch nochmal einen Spannungskick geben. Und auch, wenn es im Zuge dieser neuen Handlungsrichtung sowohl einen Plottwist als auch wieder mehr Spannung gab, so hat mir dieser neue Kurs gar nicht gefallen. Auf einmal wirkte für mich alles gehetzt, lieblos zusammengeschustert, irgendwie in wenige Seiten gequetscht und vor allem: Uninspiriert und abgeschaut. Wo vorher frischer Wind war, wehte nun, für mich, eine eher abgestandene Prise, was vor allem auch daran lag, dass die Charaktere sich so ganz anders entwickelten, als ich es wollte, aber dazu später mehr. Und obwohl mir diese letzten hundert Seiten irgendwo schon ein bisschen den Lesespaß genommen haben, muss ich zugeben, dass einige Dinge wirklich gut waren, denn durch diese neue Richtung ergaben sich einige Plottwists, die ich nicht erwartet hatte (bis auf einen, der war mir viel zu offensichtlich), und Hamilton hat mich echt überrascht durch die Tatsache, nebensächliche Sachen vom Anfang wieder aufzugreifen, um sie für ihre Handlungsgestaltung und Plottwists zu nutzen, das hat mich echt positiv überzeugt, aber leider nicht wettgemacht, was die Story dennoch an Sympathie eingebüßt hat.



Was von Anfang an ein kleiner Kritikpunkt für mich war, waren die Charaktere, denn ich kam mit ihnen einfach nicht klar. Mit Amani wurde ich erst langsam warm, auch, wenn ich sie irgendwo doch mochte. Die ersten zweihundert Seiten ist nämlich eine tolle Heldin, die mit einem sehr losen Mundwerk und einem großen Talent für schießen in den Dustlands lebt und von einen Leben in der Großstadt und weg von ihrem Onkel und ihrer Tante träumt. Sie sorgt für jede Menge Spaß und Spannung und legt in der Mitte eine sehr schöne Entwicklung hin, die ich nachvollziehbar und gut fand. Doch gerade, als sie mir so wirklich anfing, sympathisch zu werden, kamen jene hundert letzten Seiten, und haben Amani dazu gebracht ihre Persönlichkeit über Board zu werden und eine ziemlich hohle und blöde Protagonistin zu werden. Ich fand ihr Verhalten einfach nur affig und war sehr enttäuscht, dass die Autorin einen so tollen Charakter zu…so etwas hat werden lassen. Unser Fremder war mir ehrlich gesagt insgesamt einfach zu flach, ich kann mich nicht mal genau an ihn erinnern, so blass kam er mir vor. Ja, er hat den einen oder anderen guten Spruch auf den Lippen, und ja, die beiden waren ganz niedlich zusammen, aber trotzdem war er mir als eigenständiger Charakter einfach zu flach, wobei er wirklich Potenzial gehabt hätte.


Das Ende hat mir wiederum gefallen, denn es ermöglicht es, das Buch sowohl als Einzelband stehen zu lassen, als auch es als Reihe zu sehen. Ob ich weiterlesen werde, weiß ich allerdings nicht, da mir die neue Richtung der Handlung eher nicht zusagt, aber auch hier möchte ich mich nicht festlegen.


Und leider ist dieses Buch wieder ein sehr guter Beweis dafür, dass ein gutes Bühnenbild noch lange kein tolles Theaterstück macht. In Rebel of the Sands habe ich mich in das Setting verliebt, das wirklich wunderbar, stellenweise zwar etwas trashig, aber mit viel Liebe zum Detail und Spaß gestaltet wurde. Diese Mischung aus traditionellem Orient und doch schon eher technisch orientierten Westen klingt zuerst etwas gewagt, funktioniert aber überraschend gut und wusste, mich zu begeistern. Dabei mochte ich auch, in welcher Weise das Setting die Story gefärbt hat, sodass die ersten zweihundert Seiten wirklich Spaß gemacht haben und spannende Pageturner waren, aber leider wollte Hamilton hundert Seiten vor Ende in eine ganz andere Richtung als ich, und damit hat sich die Story zu etwas entwickelt, was ich gar nicht mochte und zu vorhersehbar fand. Dazu kommt, dass es mir persönlich den Charakter Amanis ruiniert hat, der vorher bissig, mutig und clever war, und sich zu oberflächlich und dämlich wandelt. Schade, dass Buch hätte das Zeug gehabt, mich zufrieden aus der Vorstellung gehen zu lassen, stattdessen verlasse ich das Theater nun mit einem gekräuselten Lächeln und der Frage, ob ich die Fortsetzung überhaupt sehen will. Dafür gibt es 3 Sterne.
 

 

Kommentare:

  1. Oh nein, das ist jetzt schon mindestens die fünfte eher enttäuschte Rezension, die ich zu diesem Buch lese. :( Ich habe es mir vor Monaten spontan in England gekauft, weil es so unheimlich gut klang... Nun bin ich mehr als skeptisch. :/

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  2. Liebe Kücki,
    das Buch habe ich mir zum Geburtstag gewünscht/bestellt, es klang einfach zu gut und in das Cover war ich sowieso gleich blitzverliebt, der Buchrücken sieht zu toll aus! *-*
    Schade, dass du doch einige Kritikpunkte hattest und es gegen Ende so unnötig lächerlich wurde - aber da muss ich mich mal selbst überzeugen! :D
    Wie auch immer, super Rezi und schöne Fotos ♥

    Alles Liebe,
    Noemi

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