Sonntag, 19. Juni 2016

|Reihenrezension| "The Testing Trilogy" von Joelle Charbonneau

The Testing | Independent Study | Graduation Day | Joelle Charbonneau | HMH | Englisch | Hardcover | Book Box ca. 40€ | Kaufen?
  
Keep your friends close and your enemies closer. Isn’t that what they say? But how close is too close when they may be one and the same?

The Seven Stages War left much of the planet a charred wasteland. The future belongs to the next generation’s chosen few who must rebuild it. But to enter this elite group, candidates must first pass The Testing—their one chance at a college education and a rewarding career.

Cia Vale is honored to be chosen as a Testing candidate; eager to prove her worthiness as a University student and future leader of the United Commonwealth. But on the eve of her departure, her father’s advice hints at a darker side to her upcoming studies--trust no one. 

 
Sia ist wirklich eine grandiose Sängerin, und gerade, wenn man sehr aufgeregte und "schnelle" Bücher liest, passen ihre kraftvollen Lieder einach sehr sehr gut dazu.

 
Vor gut einem Jahr habe ich die Testing Reihe angefangen, ein Dystopie, die in dem Meer der Dystopien mit der Aufgabe zu kämpfen hat, herauszustechen, einzigartig zu sein, den Leser zu überzeugen. Und obwohl ich nicht sagen kann, dass die ersten beiden Teile grandios waren und vor Originalität strotzten, muss ich zugeben, dass sich die Reihe dennoch in mein Herz geschlichen hat und mich dazu überredet hat, sie bis zum Ende zu verfolgen. Und nun habe ich die letzte Seite des dritten Buches beendet, und muss sagen, dass ich immer noch nicht genau weiß, was ich zu dieser Reihe schreiben soll. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass sie mir sehr im Gedächtnis geblieben ist.


In der Reihe geht es um die siebzehnjährige Cia, die in einer futuristischen Welt lebt, in der Amerika nach einem tragischen Krieg in mehrere Kolonien geteilt ist. Dazwischen liegt die gloriose Hauptstadt Tosu City, in der die einzige Universität des Landes steht, und damit die Einzige Möglichkeit bietet, ein Anführer, Politiker oder Wissenschaftler zu werden, doch das Aufnahmeverfahren ist mehr als hart. Wie hart muss auch unsere Protagonistin Cia lernen.


Ich kann es nur immer wieder sagen: Natürlich erfindet die Reihe das Rad nicht neu, man hat immer wieder Momente, in welchen man sich an Panem oder Divergent oder Maze Runner erinnert fühlt, durchschaut einige Handlungsstränge, einfach, weil sie so Dystopie-typisch sind. Aber dennoch schafft es die Reihe, interessant zu sein und eine gewisse Eigenständigkeit zu entwickeln. Je weiter wir in der Reihe voranschreiten, desto mehr fühlt es sich an, als hätte die Autorin ihre eigene Geschichte gefunden und es nicht mehr nötig, sich an anderen Dystopie Riesen zu orientieren. Hier muss ich vor allem den dritten Teil hervorheben, der an sich ganz anders ist als seine beiden Vorgänger, aber meiner Meinung nach der originellste und einzigartigste. Die ersten beiden Bände sind unglaublich actionreich und spannungsgeladen, man muss dauernd Angst um die ganzen Charaktere haben, kommt kaum zum Luftholen, und fliegt nur so durch die Seiten, weil immer wieder etwas neues geschieht, hinter jeder Ecke Gefahr lauert, und man selbst nach Zuschlagen des Buches noch den Adrenalin in den Adern fühlt. Es lässt sich leicht lesen, schnell, und es passiert jede Menge. Und der dritte Band scheint nun viel ruhiger, nicht mehr so aufgeregt und dadurch weniger spannend. Dies sehe ich allerdings anders: Natürlich kann man dem dritten Band vorwerfen, dass er auf Aktion und aktive Spannung auf Sparflamme bietet, aber was ich an dem finalen Buch so mochte, war, dass es auf eine andere Weise Spannung erzeugt hat: Nämlich durch politische Intrigen, Verschwörungen, Spannung auf einer ganz anderen Ebene. Während man sich in den ersten beiden Bänden noch dauernd gefragt hat, wer denn nun als nächstes stirbt, welche Gefahr nun als nächstes aus der Ecke springt, so sitzt man im dritten Buch misstrauisch vor den Seiten, legt das Buch ab und an zu Seite, um in Ruhe nachzudenken, wie das alles nun zusammenhängen könnte. Man ist permanent am überlegen, wen man denn nun vertrauen kann, Blätter leicht paranoid durch die Seiten und ist ständig am mit rätseln, was denn nun passieren wird, bei dem Versuch, das Puzzle zusammenzusetzten. Wie gesagt, es war eine andere Art der Spannung, aber eine, die mir ebenso gut gefallen hat.


Was ich zudem an der Reihe sehr schätze, sind die Personen und ihre Beziehung Untereinader. Allen voran Cia. Selten habe ich eine so angenehme und authentische Protagonistin erlebt, die zwar nicht unbedingt vor Originalität sprüht, aber die eine angenehme, überraschend bodenständige und weitestgehend normale Persönlichkeit hat. Cia ist keine Killermachine, hat ein großes Problem mit Gewalt und kann nicht so Recht über ihren eigenen Schatten springen, sie ist unglaublich emotional und mitfühlend, wenn auch dabei überraschend intelligent. Sie ist permanent bemüht, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und stellt dabei nicht nur sich, sondern auch dem Leser durchgehend die Frage: Was macht eine gute Entscheidung aus? Wann ist eine Entscheidung wirklich falsch? Was macht einen guten Anführer aus? Das hat mir sehr gut gefallen, weil es Cia sehr authentisch gemacht hat. Mein Gott, sie ist erst Siebzehn und sie trifft falsche Entscheidungen, vertraut den falschen Leuten und fällt mehr als einmal auf die Nase, weil sie einfach zu mitfühlend ist. Trotzdem hat sie einen tiefen Gerechtigkeitssinn und möchte etwas verändern, von dem alle Menschen etwas haben. All diese Dinge machen sie sehr menschlich und es hat mir unendlich Spaß gemacht, sie auf ihrer Reise zu begleiten, Probleme mit Intelligenz und Stärke gemeinsam zu lösen, und immer wieder zu hinterfragen, ob man die getroffenen Entscheidungen als gut ansehen kann. Solche Authentizität wünsche ich mir bei mehr Charakteren.


Auch viele Nebencharaktere, die ich anfangs als eher blass eingeschätzt habe, haben im Verlauf der Reihe bewiesen, dass sie mehr sind, als die Schublade in die man sie stecken wollte. Es gab viele Charaktere, in denen viel mehr steckte, und für die ich mir mehr Parts gewünscht hätte, damit sie noch mehr Tiefe bekommen und ihre Geschichte vollständig erzählen können. Besonders Stacia und Will mochte ich gerne, die ihre ganz eigenen Motive hatten, und deren Entwicklung man sehr gut sehen konnte. Aber auch Raffe fand ich diesen Buch deutlich besser charakterisiert als im vorherigen Buch, wenngleich ich auch sagen muss, dass es nicht einen Nebencharakter gab, dem ich nicht misstraut habe. Dazu kann ich nur sagen: Ihr alle werdet euch darauf einlassen müssen, dass jeder ein potenzieller Verräter sein kann, das Feinde auf einmal Verbündete werden, nur um die wieder zu betrügen, und lange Freundschaft eigentlich nur auf Verrat aufbaute. Bis zum Schluss löst die Autorin nicht komplett auf, wer denn nun gut und böse war, was vor allem daran liegt, dass diese schwarzweiß denken in diesem Buch nicht existiert. Würdet ihr mich nämlich nun Fragen, wer denn nun der Bösewicht war und wer der Held, dann könnte ich das nicht beantworten. Alle Charaktere kämpfen nach ihren eigenen Maximen, für ihre eigenen Ziele und dabei ist jeder mit ein bisschen schwarz und weiß gezeichnet, aber niemals nur Freund oder Feind. 


Was ich hier auch noch einmal lobend erwähnen muss, ist die Liebesgeschichte, die herrlich nebensächlich ist. Tomas und Cia sind sich einfach so sicher einander, sodass wir kein unnötiges Liebesdrama bekommen, sondern eine überraschend lose erzählte, aber dennoch tiefgründige Beziehung, die gesund ist und ein gutes Vorbild bietet, da diese auf den Maximen aufgebaut ist, dass sich kein Partner verbiegen sollte, und man auch für die große Liebe nicht seine Prinzipien und Träume aufgeben sollte. Das war manchmal bitter für unsere beiden, aber insgesamt hat mich das wirklich dazu gebracht, diese Beziehung gut zu finden, wenngleich ich Tomas immer noch nicht leiden kann, weil er mir die meiste Zeit über zu glatt war und erst späte deutliche Ecken bekommen hat, was ihn mir aber schlussendlich doch sympathischer machte.


Und ja…das Ende. Ich muss sagen, dass ich bei den meisten Dystopien es nicht mag, dass das Ende derart offensichtlich ist und abschließend präsentiert wird. Dann ist die Rebellion geglückt, aber es bleibt die Frage: Wie geht es weiter? Oftmals ist mir das zu abgeschlossen. Bei dieser Reihe hingegen kann ich sagen, dass ich das Ende überraschend offen fand. Die Autorin weiß, dass das noch nicht das Ende der Geschichte ist, und tut auch nicht so, als wär es das. Wir verlassen die Geschichte nicht an einem Ende, sondern an einem Anfang, und genau so ist es auch geschrieben. Einerseits konnte mich das Ende dadurch sehr positiv überraschen, überhaupt hatte das Buch auf den letzten Seiten noch einige Schocker und Plottwist auf Lager, die mich erschreckt und komplett überrascht haben. Leider muss ich aber zugeben, dass das Ende mir etwas zu plötzlich kam, und dann doch zu offen war. Viele wichtige Fragen wurden nur halb geklärt oder gar nicht mehr aufgegriffen, es wirkte hektisch, und 20 Seiten mehr hätten dem sicher gut getan. Trotzdem kann ich sagen, dass mir das Ende überraschend gut gefallen hat, und mehr Dystopien sich derartiges trauen könnten. 

 
Insgesamt kann ich sagen, dass sich das Buch ein bisschen selbst wie ein Test angefühlt hat. Denn als ich die Reihe begonnen habe, wusste ich nicht so Recht, worauf ich mich da eigentlich einlasse, so tönte doch der Klappentext ziemlich klischeehaft, dass ich es dennoch mit der Reihe versucht habe, ist wirklich eine gute Entscheidung gewesen. Natürlich, die Testing Reihe erfindet das Rad nicht neu, und gerade in den ersten beiden Bänden schielt mir die Autorin noch zu viel zu anderen Dystopie-Riesen rüber, aber spätestens im letzen Band beweist sie uns, dass sie selbst unglaublich gute Ideen hat, und obwohl sie eine ganz neue Richtung wählt, eine originelle, eigenständige Geschichte schreiben kann. Hier muss ich besonders lobend erwähnen, dass sie dabei überraschend wertfrei bleibt, nicht nur bei der Story, sondern auf bei den Charakteren. Sie wertet nicht, sondern lässt den Leser entscheiden, wer oder was denn nun gut und schlecht ist, in einer Reihe, in der schwarzweiß denken keinen Platz hat. Das alles erzählt von einer Protagonistin, die mir mit ihrer guten Ausgewogenheit aus Stärken und Schwächen und angenehm authentischen Art sehr ans Herz gewachsen ist, und deren Beispiel ich gerne in noch mehr Dystopien sehen würde. Auch das Ende war der Reihe würdig und hat es sogar geschafft, mich zu überraschen, wobei ich mir trotz der positiven Offenheit ein paar Seiten mehr gewünscht hätte, um dem Ende die Hektik zu nehmen und einige wichtige Aspekte noch mehr gezielter aufzugreifen. Schlussendlich ist The Testing wohl keine Reihe, die mit Originalität heraussticht, aber eine Reihe, die überraschend tiefgründig sich von seinen anfangs so Aktion-und-Kampf-geladenen Image verabschiedet und eine gute Dystopie ohne schwarzweiß denken schreibt, die sich schnell liest und Spaß macht. Dafür vergebe ich abschließend 4 Sterne.

 

Kommentare:

  1. Hallo Kücki!
    Eine wunderbare, ausführliche Rezension! In vielen Punkten kann ich dir zustimmen, die ersten beiden Bände waren einfach gnadenlos spannend und wahre Pageturner, vor allem der erste. Der dritte ist tatsächlich ruhiger, aber man merkt, dass man niemandem trauen kann. Die Verschwörungen sind in der Tat auch interessant, aber trotzdem hat mir der dritte Band nicht so sehr gefallen wie seine Vorgänger. Da bevorzuge ich lieber einen atemberaubenden Spannungsbogen :D Aber Cia ist eine hervorragenden Protagonistin, da hast du Recht. Allerdings habe ich nie den Zugang zu Tomas gefunden, er blieb mir dann doch zu platt und im tiefsten Inneren konnte ich ihm auch nicht vertrauen - eine Lektion, an der das Buch selbst schuld ist xD
    Alles in allem bleibt die Reihe aber großartig und die moralischen Fragen, die es aufwirft, verbleiben interessant.

    Liebe Grüße,
    Noemi

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  2. Huhu liebe Kücki ♥
    Erstmal vielen Dank für diese ausführliche Rezension! Ich finde es immer wieder bewunderswert wie viel Zeit und Mühe du in deine Posts steckst und mich dann mit deinen überzeugenden Worten dazu bringst, die Bücher die du in deinen Rezensionen hochlobst auf meine Wunschliste zu setzen! :D Von der Reihe habe ich schon einiges gehört und obwohl ich mir schon ein paar Mal überlegt habe, mir den ersten Band zu kaufen, habe ich es bis jetzt noch nie geschafft. Wie du schon sagst, es klingt nach einer typischen Dystopiegeschichte. Doch jetzt hast du mich auf jeden Fall sehr neugierig darauf gemacht! (: Ich liebe ja Bücher über die man sich richtig den Kopf zerbrechen muss, aufgrund der gesellschaftlichen & moralischen Fragen die sie aufwerfen. Den genau solche Geschichten bleiben wir dann im Kopf. ^.^

    Eine wundervolle Rezension! DANKE FÜRS ÜBERZEUGEN! ♥
    Wunschliste, woooo bist du?!? xD

    Alles Liebe,
    Jasi ♥♥

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