Donnerstag, 5. Januar 2017

|Rezension| "George" von Alex Gino

George | Alex Gino | Scholastic Press | Englisch | Hardcover | ca. 12€ | Kaufen?
  
When people look at George, they think they see a boy. But she knows she's not a boy. She knows she's a girl.
George thinks she'll have to keep this a secret forever. Then her teacher announces that their class play is going to be Charlotte's Web. George really, really, REALLY wants to play Charlotte. But the teacher says she can't even try out for the part . . . because she's a boy.
With the help of her best friend, Kelly, George comes up with a plan. Not just so she can be Charlotte -- but so everyone can know who she is, once and for all.

 
Ähm...ja, so ein kleines bisschen muss ich ja zugeben, dass ich auch Yuri on Ice Trash geworden bin, aber die Musik ist auch einfach zu schön und hat auch irgendwie echt gut zu diesem Buch gepasst :)

 
Manchmal kann es so einfach sein, Bücher zu schreiben, die gesellschaftskritisch und wichtig und tiefgründig sind, aber nicht auf eine Art und Weise, die dich runterzieht und dir wie eine graue Gewitterwolke den ganzen Tag hinterherhängt. Denn auch, wenn es meistens diese Bücher sind, die einen am meisten bewegen, wünscht man sich manchmal auch einfach, ein bisschen mehr Hoffnung und Licht zu haben. Und manchmal kommt dann so ein Buch daher wie „George“, mit seiner wunderbaren Protagonistin und einer großen Portion Wärme, die Hand in Hand mit einem sensiblen Thema kommt, um dich zu verzaubern.


In „George“ geht es um ein junges Mädchen namens George, welche im falschen Körper geboren wurde und daher von ihrem Umfeld als Junge gesehen wird. George ist transgender und beschließt eines Tages, darüber nicht mehr zu schweigen.

Was ziemlich sperrig klingt war das einzige, was ich über dieses wunderbare Buch wusste. Dass es das Thema Transgender behandeln wollte und zwar zur Abwechslung mal in einem Middle Grade Roman. Und das war absolut die richtige Entscheidung, denn diese Geschichte war absolut bezaubernd und hat mich mitten ins Herz getroffen.

Ich denke, dass es richtig und unglaublich wichtig ist, auch schon jüngere Kinder mit Themen aus verschiedenen Bereichen der Diversity anzusprechen, sie darüber aufzuklären und ihnen damit zu zeigen, dass wir alle, so, wie wir sind, richtig und gut sind und niemand nicht normal ist, nur, weil er anders denkt oder fühlt oder aussieht als ich. Denn Kinder können grausam sein, dass zeigt auch Gino in ihrem Buch hier, aber Kinder können eben auch manchmal so viel verständnisvoller und taktvoller sein als Erwachsene, auch etwas, was in dieser Geschichte behandelt wird. Auf jeden Fall ist es wichtig sie mit Diversity zu konfrontieren, mit ihnen darüber zu reden und es nicht als etwas zu behandeln, wofür sie „noch nicht alt genug sind“. Diversity ist nichts schlechtes und kein Tabuthema, das zeigt auch dieses Buch und gehört für mich alleine deswegen zu einer Geschichte, die man in der Schule lesen sollte.


Denn ganz abgesehen davon, dass das Buch das sensible Thema Transgender behandelt, schreibt es auch über viele andere gesellschaftskritische Themen, die gerade Kinder etwas angehen. Sei es Sexismus in den frühen Kindheitsjahren oder Ausgrenzung von Andersdenkenden. Dabei verfällt das Buch aber nie in die Rolle des steifen Moralapostels, sondern verwebt diese Gedanken und Kritikpunkte wunderbar mit Story, sodass Kinder Szenen und Bilder im Kopf haben, die Story weiterverfolgen zu können, und trotzdem zum Nachdenken angeregt werden.

Des Weiteren beinhaltet das Buch noch eine ganze Bandbreite an kleinen, warmen Take-Home-Messages, die wohl jedem Kind ans Herz gehen werden. So appelliert die Geschichte daran, an seine Träume zu glauben, nicht aufzugeben, Freundschaften hochzuhalten und auf Vertrauen und Loyalität zu bauen und der zu sein, der man wirklich ist und sein möchte. Botschaften, die auch für ältere Leser durchaus noch relevant sind.


Sowieso ist dieses Buch kein reines Kinderbuch, auch, wenn Alex Gino sich ganz bewusst an jüngere Kinder richtet, was man sowohl an dem einfach gehaltenen Schreibstil als auch der einfach gehaltenen Storyline merkt. Nichtsdestotrotz enthält das Buch ganz viele wichtige Denkanstöße, Schlüsselszenen, die man auch als Jugendlicher oder Erwachsener verstehen und reflektieren kann und sogar muss, da Gino auch zu diesen beiden Generationen etwas zu sagen hat. Das Buch ist einfach schön aufbereitet, sodass es sich nicht an eine Altersklasse fesseln muss, sondern gerade mit seiner Gesellschaftskritik auch Stoff für „älteres“ Publikum bietet.

Was aber dieses Buch wirklich so unendlich warm und liebenswürdig macht, ist George. Ich habe sie binne weniger Seiten sofort in mein Herz geschlossen! Sie ist ein recht schüchternes Mädchen, hat aber viele Charakterzüge, in denen sich der Leser wiederfinden kann. Ihre Liebe zu Büchern und ihre ganz besondere Empathie, mit denen sie den Charakteren ihrer liebsten Geschichten begegnet. Ihr großer Traum vom auf der Bühne stehen, und vor allem davon, allen zu zeigen, wer sie wirklich ist und auch so gesehen und akzeptiert zu werden. Ich habe sie so liebgewonnen und ihre kleine Reise zu sich selbst sehr gerne mitverfolgt. Aber auch die Nebencharaktere hat einiges zu bieten, auch, wenn sie aufgrund der Dünne des Buches etwas blass blieben. Kelly, Georges beste Freundin, war neben George mein absoluter Lieblingscharakter! Ein kleines Energiebündel, das eine große Leidenschaft für die Fotografie hat, mit Witz und Lachen und liebenswerten kleinen Seltsamkeiten durch die Welt schlendert und fröhlich redend einfach eine wunderbare Freundin ist! Ich fand die Dynamik zwischen ihr und George einfach nur toll, gerade Kelly beweist im Laufe der Geschichte viel Authenzität mit ihren realistischen Entwicklungen und ganz eigenen Charakter. Weitere Pluspunkt: Kelly hat eine dunkelhäutige Mom! 



Über Georges Familie bin ich geteilter Meinung. Mit ihrer Mom wurde ich leider nicht wirklich warm, auch, wenn ich ihre Rolle durchaus realistisch rübergebracht fand und mir das Ende etwas Hoffnung gegeben hat. Scott, Georges ältere Bruder, hat mich hingegen mehr als einmal überrascht, und obwohl er leider sehr blass blieb, hat er sich mit zwei Szenen wirklich in mein Herz geschaufelt!
Sowieso schafft es Gino, ein sehr realistisches Ensemble von Charakteren aufzubauen, die alle verschiedene Teile unserer Gesellschaft repräsentieren und dementsprechend auch nicht immer tolerant und wohlwollen George gegenüber reagieren. Dennoch verzichtet Gino an dieser Stelle darauf, besonders krasse oder heftige Szenen darzustellen, welche wahrscheinlich in der Realität stattgefunden hätte, aber in diesem Fall natürlich rausgenommen werden können, da es sich irgendwie ja doch noch um ein Kinderbuch handelt, und Gino es trotzdem schafft, aufzuzeigen, wie schwierig es auch noch heute ist, transgender zu sein. 


Ein weiterer kleiner Kritikpunkt meinerseits wäre, dass ich das Buch etwas zu kurz fand. 220 Seiten waren mir persönlich einfach zu wenig und ich hatte das Gefühl, dass gerade gegen Ende die Autorin noch etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können. Des Weiteren hat das Buch für mich etwas zu plötzlich geendet und ich hätte gerne noch ein paar Kapitel mehr gehabt, in denen noch einige Dinge behandelt werden. Nichtsdestotrotz war es ein gutes Ende, das viel Freiraum für Eigeninterpretation lässt, meinetwegen aber doch noch ein paar Seiten länger hätte sein können.

 
Insgesamt hat Alex Gino ein wirklich herzerwärmendes, zauberhaftes Buch über ein Transgendermädchen geschrieben, welches sich nicht länger verleugnen möchte und ihren Träumen folgen möchte. Die Charaktere, besonders George selbst, wachsen einem unglaublich ans Herz und sprühen nur so vor Farbe und Liebenswürdigkeit. Sowieso hat Gino es wirklich gut geschafft, dieses sensible und wichtige Thema auf eine kritische, aber dennoch nicht zu dunkle Art und Weise in eine Geschichte einzubetten, die natürlich nicht unendlich in die Tiefe geht und gerne noch etwas länger hätte sein können, die aber berührt und zum Nachdenken anregt und einen verzaubert. Ein wichtiges, wunderschönes Buch, das ich euch nur ans Herz legen kann. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
 

 

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