Mittwoch, 2. März 2016

|Rezension| "All the Birds in the Sky" von Charlie Jane Anders

All the Birds in the Sky | Charlie Jane Anders | Tor Books | Englisch | eBook | ca. 5€ | Kaufen?
 
Childhood friends Patricia Delfine and Laurence Armstead didn't expect to see each other again, after parting ways under mysterious circumstances during high school. After all, the development of magical powers and the invention of a two-second time machine could hardly fail to alarm one's peers and families.

But now they're both adults, living in the hipster mecca San Francisco, and the planet is falling apart around them. Laurence is an engineering genius who's working with a group that aims to avert catastrophic breakdown through technological intervention into the changing global climate. Patricia is a graduate of Eltisley Maze, the hidden academy for the world's magically gifted, and works with a small band of other magicians to secretly repair the world's ever-growing ailments. Little do they realize that something bigger than either of them, something begun years ago in their youth, is determined to bring them together--to either save the world, or plunge it into a new dark ages.

 
Daughter habe ich erst vor kurem entdeckt und ich liebe die Lieder! Vor allem dieses Lied hat mich wirklich überzeugt, von seinem einzigartigen Charakter, der zu dem Buch gepasst hat.

 
Manchmal, da gibt es Bücher, die man einfach findet, die einem Auffallen in Verlagsvorschauen, im Buchladen anfunkeln und einladend zum in-die-Hand nehmen animieren. Und manchmal, da finden Bücher dich. Du stolperst über sie, hattest sie gar nicht auf dem Schirm, sie klingen seltsam und reizen dich trotzdem, sie klingen anders, und du wirst neugierig. Und dann manchmal springst du über deinen Schatten, probierst etwas Neues. Und manchmal, manchmal hast du eben dabei genau das Buch gefunden, dass du gesucht hast, ohne zu wissen, es gewollt zu haben. So ein Buch ist „All the Birds in the Sky“. Ein Buch, dem ich mit dieser Rezension nicht gerecht werden kann, aber das mich begeistert hat, und sich ganz langsam zu einem meiner Jahreshighlights gemausert hat. Obwohl ich es zum Anfang nicht mal kaufen wollte.


In diesem Buch ist es wahrscheinlich tödlich, etwas zu erwarten, auch nur etwas über den Inhalt zu wissen kann wahrscheinlich schon gewisse Freude an dem Buch nehmen. Deswegen sage ich nur so viel: Eine Hexe und ein Mathegenie, Freude aus der Kindheit, müssen die Welt vor der Apokalypse retten.


Was ein bisschen klischeehaft und vor allem seltsam klingt, ist in Wirklichkeit einfach ein unglaublich guter Vertreter des Genres Magical Realism, ein Genre, welches ich Liebe, für seinen Mut zum Seltsamen, zum Phantastischen. Es lädt zum Träumen ein, man muss sich darauf einlassen können, um den Grad der Spezialität zu schätzen zu wissen. All dies trifft auch auf All the Bird in the Sky zu. Das erste Wort, was mir in den Sinn kommt, wenn ich dieses Buch beschreiben müsste, wäre vor allem: Seltsam. Das Buch ist seltsam, es ist komisch, schon fast zu phantastisch, es benutzt Metaphern wörtlich und baut unzählige magische Elemente ein, die aber einfach…natürlich wirken. Sie fügen sich in die realistische Welt ein, in das eigentlich nicht phantastische Setting, verschmelzen, sodass man am Ende nicht mehr weiß, ob das Buch nun Real oder Phantastisch ist. Ungefähr so, als würdet ihr durch eine Tür in eine andere Welt stolpern, die aussieht wie die eure und sich auch so anfühlt, ihr aber bemerkt, dass hier die Tiere sprechen können und eure Realität viel vielschichtiger ist als vorher. 


Aber genau das macht den Reiz des Buches aus. In diesem Genre müssen wir uns nicht beschränken, wir können gleichzeitig über Hexen, sprechende Tiere und Bäume, die dir die endlose Frage stellen lesen, und auf der anderen Seite den Weg eines Mathegenies verfolgen, das mit ganz normalen Problemen kämpft. Sowieso schafft es die Autorin dieses Konzept, was eigentlich nur schief laufen kann und zu gewollt wirken müsste, auf einzigartige, wunderbare Weise zu verbinden. Familienprobleme sind genauso normal wie Zwei-Sekunden-Zeitmaschinen, die sich ein Mittelschüler baut. Dass man mit Vögeln sprechen kann nicht weniger wundersam, als dass man den Bus verpasst. Und genau diese schrille Seltsamkeit, die schlicht und einfach vorbeikommt, liebe ich so daran. Ich liebe es, dass Fantasy so still und leise mit Alltagsprobleme harmonieren kann, das es dem magischen Realismus möglich ist, unseren Alltag mit Feenstaub zu bestreuen und magisch werden zu lassen, ohne nicht genau das auch zu bleiben: Alltäglich.


Der wunderschön angewandte, zauberhafte magische Realismus ist aber nicht der Einzige Grund, warum ich dieses Buch so geliebt habe. Es sind die Personen, die Themen, seine Seltsamkeit, seine Einzigartigkeit. Ich habe noch nichts Vergleichbares gelesen und obwohl einzelne Themen natürlich schon in anderen Büchern besprochen worden sind, so ist dieses Konzept, mit all seiner Seltsamkeit, einzigartig zusammengesetzt. Zusammensetzt zu einer Story, in der wir so viele Aspekte haben, das wir unglaublich facettenreich durch die Seiten fliegen. Wir haben technische Aspekte, Passagen über physikalische und mathematische Prozesse, mit denen man die Welt verändern könnte, und diese werden mit Magie verknüpft, denn auch Magie spielt eine Rolle, die Fähigkeit mit Tieren zu sprechen, Hexen, die Gutes tun wollen, und dabei nicht merken, dass vielleicht auch im Gutes tun etwas schlechtes liegen kann, und vielleicht genau dieses auch auf die Technik zutrifft. Allgemein haben wir diesen riesigen Konflikt hier: Technik und Natur.


 Denn wir alle wissen, dass es irgendwann aufs Ganze kommen wird, und wir vor dem Entschluss stehen werden, dass unsere Erde untergehen wird, ausradiert von dem Stern, der uns einst Leben ermöglichte. Was wir bis dahin machen, liegt in unserer Hand. Und völlig wertfrei mit vielen verschiedenen Perspektiven wird dieser Konflikt hier behandelt. Stehen wir auf Seiten der Natur, des ursprünglichen, oder kann nur Technik uns helfen? Müssen die bei nicht zusammenarbeiten? Oder würde das nur alles schlimmer machen? Mir hat die Tiefe gefallen, die hier in den Apokalypsenkonflikt gelegt wurde, die Perspektivenauswahl…einfach die vielschichtige Art, die hier an den Tag gelegt wurde. Weil eine Apokalypse nicht nur nach Schema A oder B funktioniert, sondern Aspekte von C und D vermischt, eine Prise G hinzugibt, um sich am Ende doch nochmal am Schema F zu orientieren. Der Punkt liegt in der Perspektivenvielfalt, die tausend Gesichtspunkte, die eine Rolle spielen, und auch in einem Zwei-Erzählperspektiven-Buch nicht stumm bleiben sollten. 
 

Auch die Personen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ich dieses Buch so mochte. Sowohl Laurence als auch Patricia waren unglaublich sympathisch, was vor allem daran lag, das man sich so gut mit ihnen identifizieren kann, so seltsam und eigenartig sie auch sein mögen. Wir alle waren mal Kinder, haben sorglos im Wald gespielt, oder wussten nicht, wie wir dazugehören sollen, waren aber auch gerne alleine mit unseren Fantasien. Wir fragten uns, warum Erwachsene manchmal solche Idioten sein können…und auf einmal sind wir sechszehn und merken, dass sozialer Status alles ist, und man als Außenseiter viel Fell braucht, um durchzukommen. Und das man manchmal für seine Träume kämpfen muss, sich von der Familie abwenden muss, um seinen Weg zu gehen. Und plötzlich ist man Ende zwanzig, und hat immer noch keinen Plan, was man mit seinem Leben anstellen möchte. Beziehungen kommen und gehen, und was die wahre Liebe war kann auch wieder verschwinden und irgendwie können wir verstehen, warum Erwachsene manchmal Idioten sind. 


Dieses Buch stellt eine wunderbare Nähe zum Leser her, weil es erlaubt, in Patricias und Laurence Welt einzutauchen, sie kennenzulernen, über 20 Jahre zu begleiten. Eine Zeitspanne, die mir erst lang vorkam, am im Endeffekt sage ich: Sie war richtig gewählt. Selten habe ich Protagonisten derart wachsen sehen, entwickeln sehen, Fehler machen und wieder neu beginnen sehen. Und dazu kamen noch ihre ganz Persönlichen Eigenheiten, die so sympathisch gemacht haben. Patricias Waldverbundenheit und Begeisterung für Vögel, Laurence Introvertiertheit, seine Intelligenz, und seine Unbeholfenheit…die beiden waren so ein grandioses Team, aber konnten auch im Alleingang überzeugen, durch Tiefe, Sympathie und Nähe zum Leser.
 
Ich könnte noch ewig weiterphilosophieren über das Buch und seine Bedeutung, aber um diese Rezension zu einem Ende zu bringen kann ich euch eigentlich nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Es auszuprobieren. Vorsicht einen Blick hinein zu werfen auf die Gefahr hin, dass es euch gefallen könnte. Denn manchmal, manchmal müssen wir uns von Büchern finden lassen. Von Büchern, die mit sympathischen Figuren eine magisch-verrückte-seltsame-philosophische-technische-perspektivereiche Geschichte erzählen, die sich schwer in Worte fassen lässt, weil sie so viel zu sagen hat. Also, lasst euch von diesem Buch finden. Lasst euch verzaubern und begeistern. Von einer Geschichte, die vielleicht nicht für jeden was ist, aber genau das richtige für mich war. Seltsam. Tiefgründig. Anders. Einzigartig. Und vielleicht ja auch das richtige für dich. Ich vergebe 5 Sterne.

 

Kommentare:

  1. Huhu meine liebe Kücki ♥
    Was für eine wundervolle Rezension! *.*
    Du hast mir ja schon kurz von diesem fantastischen Buch erzählt aber deine Rezension hat mich noch neugieriger auf das Buch gemacht! Ich freue mich dass du so begeistert wurdest von dieser zauberhaften Geschichte und ich möchte es auf jeden Fall lesen! :)

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

    AntwortenLöschen
  2. Hey :)
    Das Buch hatte ich letztens im Thalia in der Hand, war mir dann aber zu unsicher und habe es nicht mitgenommen. Aber nach deiner Rezi überlege ich es mir nochmal und nehm es beim nächsten Mal vielleicht mit ^^

    Liebe Grüße
    Ila von buechertunnel.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  3. Super schöne Rezension!
    Das Buch klingt wirklich irgendwie abgedreht, aber auf eine gute Weise. Magical Realism interessiert mich gerade sowieso und ich habe überlegt, was ich da lesen könnte und du hast mir die Wahl gerade ziemlich leicht gemacht.

    AntwortenLöschen
  4. Oh das klint wirklich toll, und ich muss gestehen, dass ich bereis das schlichte Cover ganz schick finde. Demnächst, ab Mitte März startet ja meine mir selbst auferlegte englische Phase und dann wäre das ja auf jeden Fall eine Option.

    LG Piglet <3

    AntwortenLöschen