Donnerstag, 30. Juli 2015

|Rezension| "Room" von Emma Donoghue

Room | Emma Donoghue | Little Brown | Englisch | Paperback | ca. 8€ | Kaufen?


 To five-year-old Jack, Room is the entire world. It is where he was born and grew up; it's where he lives with his Ma as they learn and read and eat and sleep and play. At night, his Ma shuts him safely in the wardrobe, where he is meant to be asleep when Old Nick visits.

Room is home to Jack, but to Ma, it is the prison where Old Nick has held her captive for seven years. Through determination, ingenuity, and fierce motherly love, Ma has created a life for Jack. But she knows it's not enough...not for her or for him. She devises a bold escape plan, one that relies on her young son's bravery and a lot of luck. What she does not realize is just how unprepared she is for the plan to actually work.



Ein einfaches, emotionales Lied, das sich gut dem Buch angepasst hat




In einem Meer aus Neuerscheinungen und Büchern, die oftmals nur alten Kaffe wieder aufwärmen, wird es zunehmend schwerer, Bücher zu finden, die frischen Wind in dein Leseleben bringen und durche neue Ideen und Orginalität glenzen, statt durch Plagiate oder überdruchschnittliche Intertextualität sich in die Masse einzureihen.

Mit "Room" habe ich endlich mal wieder ein Buch gefunden, dass mich mal mit ganz anderen Faccetten überrascht hat und sich gut vom Mainstream abhebt.


In dem Buch geht es um den fünfjährigen Jack, der zusammen mit seiner Ma in "Room" lebt, einen einzelnen Raum, aus dem er noch nie rausgekommen sind. Jack kennt nur das Leben in diesem Raum, für ihn sind Betten und Ma und Ameisen real, aber Bäume, Katzen und Kindern sind TV. Seine Welt beschränkt sich auf das, was er aus Büchern erfährt und was er im Fernsehen sieht. Die Einzigen beiden anderen Menschen, die er kennt, sind seine Ma, und der gruselige Old Nick.

Room ist eines dieser Bücher, das einem Angst macht. Das einem dazu bringt, wütend zu werden, gequält zu lachen und weinen die Scherben seines Herzes unters Bett zu fegen. Aus der Sicht des fünfjährigen Protagonisten Jacks lernen wir eine Welt kennen, die wir uns so nicht vorstellen können. Wir lernen eine Welt kennen, die in unserer existiert, und uns doch völlig fremd ist. Ich meine...könnt ihr euch vorstellen, euer ganzes Leben lang nur in einem Raum gelebt zu haben? Könnt ihr euch vorstellen, das ein kleines Kind all das, was für uns alltäglich ist, als Fiktion oder, mit seinen Worten, als "TV" bezeichnet? Aufzuwachsen ohne Bäume zu kennen, oder Schnee, andere Kinder, oder einfach nur Steine. Denn das ist es, was für Jack Realität ist.



Es ist schwer zu sagen, worum es in dem Buch geht. In erster Linie ist es ein Gedankenexperiment, wie es gruseliger nicht sein könnte. Ein junges Mädchen, jung, verliebt, eingesperrt von einem Mann, dem sie einst vertraute. Eingesperrt in einen kleinen Raum, alleine, bald darauf schwanger. Könnt ihr euch diese Verzweilung vorstellen? Könnt ihr euch diese Grausamkeit vorstellen? Ich nicht, und ich möchte das auch gar nicht. Und obwohl ich denke, dass die Autorin ebenfalls -Gott sei Dank- diese Erfahrung machen musste, scheint es, als wüsste sie genau, wie es sich anfühlt.

Denn obwohl dieses Buch in den simplen, nicht mal immer korrekten Sätzen und Impressionen eines fünfjährigen erzählt wird, könnte das Buch nicht kunstvoller und authentischer erzählt sein. Man fühlt sich unwohl beim Lesen dieses Buches, beklemmt und wütend, traurig und voller Mitgefühl. Man spürt die Verzweiflung aus den Seiten kriechen und hört die verzweifelten Schreie von Jack und seiner Mutter, wenn sie mal wieder Scream spielen. Ein Spiel, das für Jack ein Spiel ist wie jedes andere, für seine Mutter aber ein versuch, endlich gehört zu werden.

Das Buch erzählt von ohrenbetäubender Stille und einer einzigartigen Beziehung zwischen drei Menschen. Einem kranken Mann, einer verzweifelten Mutter und einem kleinen Jungen, der eigentlich gar nicht weiß, was schlecht an Room sein soll. Und allein durch diese komplexen und schwerigen Themen ist es vollkommen überflüssig eine große Handlung einzubauen. 200 Seiten Erzählungen von Jacks fast schon monotonen Alltag gleichem einem Horrorroman, erzählt mit purer Selbstverständlichkeit, ja sogar Freude, dass man Jack gleichzeitig schütteln und trösten möchte. Dieses Buch braucht bei diesem Erzähltalent wahrlich keine große Handlung.



Und doch kann man ab und an einen roten Faden erkennen, wenn auch das Buch größtenteils dazu da ist, einfach Jacks Alltag zu schildern, der für ihn normal, für uns Albtraum ist. Manchmal hat man das Gefühl, man verliert sich zu sehr in diesem Albtraum-Alltag, sieht nicht so wirklich ein Licht am Ende des Tunnels und das Lesen kann schon manchmal etwas erschwerend sein. Trotzdem bringt das Buch eine unglaubliche Geschichte auf den Tisch, die es wert ist, gehört zu werden.

 
Ihr merkt, mir fällt es schwer, Room zusammenzufassen. Denn mit Room hat Donoghue ein leises und schlichtes Debüt geschaffen, das ohrenbetäubender und komplizierter nicht sein könnte. Durch simple Alltagserzählungen eines fünfjährigen erweckt Donoghue einen Albtraum zum Leben und schafft eine dunkle, beklemmende Atmosphäre, die so stark an dem Leser zieht, dass das Lesen alleine einem Unwohlsein bereitet. Room ist sicherlich kein Buch, das die großen Massen begeistern kann. Es ist eher kleiner, stiller und komplexer, sein eckig und kantig, tiefsinnig und vielseitig zu interpretieren. Das Buch erinnert mich an einem Kunstfilm, der lieber mit leisen Tönen und ungewöhnlicher Story ein kleines Publikum begeistert. Und obwohl ich eigentlich auch auf Blockbuster und große Kinofilme stehe, habe ich doch das Gefühl, hiermit einen kleinen Schatz gefunden zu haben, den ich vielleicht nicht vollständig richtig interpretiere und auch nicht verstehen kann, aber der mich berührt und bewegt hat. 4,5 Sterne.

Kommentare:

  1. Ich hab das Buch vor paar Jahren auf deutsch gelesen und fand es auch unglaublich gut! Du hast eine wirklich schöne Rezension dazu verfasst! :).

    Liebe Grüße,
    Karin

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  2. Wow, eine wirklich tolle Rezension, und ein wirklich berauschendes Buch. Ich habe vorher noch nie davon gehört, aber anscheint ist es wirklich großartig.

    LG Piglet ♥

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  3. Hi, ich habe das Buch auch vor einigen Jahren gelesen. Auf jeden Fall hat es einen magischen Bann auf mich ausgeübt, aber irgendwie hatte mir auch was gefehlt. Das Ende fand ich nicht ganz so passend!

    Liebe Grüße
    Jessi

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  4. Huhu!

    Freut mich, dass dir das Buch gefallen hat!
    Bin schon ganz gespannt drauf! :D

    Liebe Grüße
    Lena

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