The Girl with all the Gifts | M. C. Carey | Orbit | Englisch | Paperback | ca. 9€ | Kaufen?
Two steps from hell ist einfach immer die beste Wahl. Immer.
Es gab mal eine Zeit, da waren Endzeitromane und Dystopien
bestimmt von Grausamkeit, psychologischen Kammerspielen mit der menschlichen
Psyche, Philosophischen Fragen und vielen realistisch schrecklichen
Gedankenspielen. Irgendwann setzt es sich dann durch, das ganze durch eine
unnötige, überzogene Lovestory zu untermalen, bis dies anfing, sich so gut zu
verkaufen, das einfach mal das ganze gut durchdachte Konzept umgeschmissen
wurde um Platz für Knutscherein und Sabbermarathons zu machen, und die
beklemmenden, wirklich erschreckenden Endzeitromane mit genialen Konzepten
verschwanden in den Tiefen der Neuerscheinungen.
Und dann, wenn man die Hoffnung schon fast aufgegeben hat,
so eine Seltenheit noch zu erblicken, steht da auf einmal ein grellgelbes Buch
im Regal mit den Endzeitgeschichten, nennt sich „The Girl with all the Gifts“
und lächelt dich so verführerisch an, dass du dem gelben etwas einfach keinen
Korb geben kannst. Und auf einmal sitzt du im Zug, das Buch halb durch und
realisierst: Hier hast du was besonderes gefunden.
„The Girl with all the Gifts“ ist ein Buch ganz anders, als
man auf den ersten Blick denken mag. Dem Genre „Zombiebuch“ und „Endezeit“
zugehörig hatte ich eher damit gerechnet, einen trashigen Roman zu finden, der
auf Klischee herumbalaciert und nur selten wahres Potenzial zeigt.
Ja, „The Girl with all the Gifts“ ist ein Zombiebuch. Es
erfüllt vollkommen das besagte Klischee, das wir auf den Seiten keine bunte
Blümchenwelt finden: Es fliegen Gedärme herum, Gehirne werden auseinandergenommen
und auch Blut hatte der Autor mehr als genug zu bieten. Wer also eher
zartbesaitet ist, sollte sich zweimal überlegen, ob er ein solches Gemetzel,
dass The Girl nun mal einfach beinhaltet ertragen kann. Wer das kann oder ansatzweise
damit klar kommt, den erwartet nämlich ein klasse Buch.
Denn obwohl das Buch sehr blutig ist, so ist es doch auf der
andererseits so anders als die ganzen anderen Zombieromane, die man kennt.
Erwachsener und deutlich realistischer und berührender überzeugt dieser Roman
mit einer genialen Geschichte, die zu Ende hin zwar sehr schwächelt, aber am
Anfang mich umgehauen hat.
Am besten ist es, größtenteils unwissend in dieses Buch zu
stolpern. Denn dann findet man sich auf einmal in einer Welt wieder, die so grausam
ist, dass man förmlich an den Seiten klebt, um endlich herauszufinden, warum
denn nun so gehandelt wird. Die Geschichte erfindet das Rad natürlich nicht
neu, ein Teil der Menschheit versucht, sich gegen die restliche Untote
Menschheit zu schützen und eine Lösung zu finden, um die Menschheit vielleicht
doch noch zu retten.
Doch The Girl… erzählt nicht nur von grausamen Offizieren
und verrückten Wissenschaftlern oder Kerlen, die im Alleingang tausend Zombies
abschlachten. Die Geschichte beginnt mit der zehnjährigen Melanie, die einfach
über ihren Alltag erzählt. Was simpel klingt, ist in Wirklichkeit grausam, aber
gleichermaßen fesselnd zu lesen.
Melanie habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Auch, wenn
im Laufe des Buches mehr, vor allem erwachsenere Perspektiven hinzukommen, ist
und bleibt Melanie für mich Sympathieträgerin, wenngleich alle Figuren, von
denen Carey schreibt, einzigartig sind. Sie sind nicht gut und nicht böse, denn
wen man in einem Moment als grausam beschreibt, ist im nächsten Moment aber
einfach nur authentisch. Als Leser fragt man sich permanent, was man selbst tun
würde, wenn man in der Lage einiger Personen wäre. Man fragt und fragt und
fragt und es ging mir wirklich an die Nieren, als ich gemerkt habe, wie
realistisch dieses Buch ist. Wie grausam und gut und authentisch. Es ist lange
her, dass mich ein Buch nach dem Lesen noch so beschäftigt hat. Tausende Fragen
habe ich mir gestellt, ich habe philosophiert und debattiert mit verschiedenen
Leuten.
Ich weiß, dass ist nicht viel zu der Story, oder viel
insgesamt, aber wie gesagt, am Besten ihr lest dieses Buch, ohne zu wissen,
worum es eigentlich geht. Ich sage euch nur: Seid vorbereitet. Melanies
Geschichte ist keine leichte Kost, grausam, blutig und hochemotional. Bereitet
euch für ein Buch vor, das permanent eure Konzentration fordert, nicht leicht
über Personen oder Taten urteilen lässt, aber von der ersten bis zur letzten
Seite vollkommen süchtig macht.
„The Girl with all the Gifts“ ist sicherlich kein Buch für
jeden. Es fordert viel Konzentration, ein Anspruchsvolles Vokabular, Interesse
an wissenschaftlichen Fakten und psychologischen Kammerspielen und starke
Nerven. Dafür bekommt man aber einen einzigartigen Endzeitroman, der sich vom
Rest des Einheitsbreies abhebt und ganz ohne Liebesgeschichte, dafür aber mit
einem genial Konzept überzeugt, das zwar am Ende hin schwächelt und manchmal
sehr zäh und anstrengend zu lesen ist, insgesamt aber vollkommen überzeugen kann.
Bitte mehr Endzeitroman der Sorte! Ich vergebe 4 Sterne.
Eine wirklich tolle Rezension zu dem Buch! Ich sehe es genauso, dass man am besten so wenig wie möglich über das Buch vorher weiß und sich dann überraschen lässt! Klar hat man von Beginn an Vermutungen, aber am besten ist es einfach, man erlebt alles selbst hautnah. Ich wurde von vielen Endzeit Büchern enttäuscht, aus den von dir genannten Gründen. Umso erfrischender und einfach anders, war dieses hier. Ich hoffe, es gibt vom Autor noch mehr zu lesen!
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
Tina
Vielen Dank liebe Tina :)
LöschenIch hoffe auch, das wir hoffentlich bald mehr vom M. R. Carey bekommen. Hab das Gefühl, er hat voll meinen Geschmack getroffen und es ist doch immer wieder erfrischend, gute Endzeitbücher fernab des Mainstreams zu lesen.
Zusammen könne wir ja den guten ein bisschen motivieren, bald noch mehr zu schrieben :D
Liebe Grüße
Kücki ♥