Sonntag, 9. Oktober 2016

|Rezension| "Nevernight" von Jay Kristoff

Nevernight | Jay Kristoff | Harper Voyage | Englisch | Hardcover | ca. 15€ | Kaufen?
  
In a land where three suns almost never set, a fledgling killer joins a school of assassins, seeking vengeance against the powers who destroyed her family.

Daughter of an executed traitor, Mia Corvere is barely able to escape her father’s failed rebellion with her life. Alone and friendless, she hides in a city built from the bones of a dead god, hunted by the Senate and her father’s former comrades. But her gift for speaking with the shadows leads her to the door of a retired killer, and a future she never imagined.

Now, Mia is apprenticed to the deadliest flock of assassins in the entire Republic—the Red Church. If she bests her fellow students in contests of steel, poison and the subtle arts, she’ll be inducted among the Blades of the Lady of Blessed Murder, and one step closer to the vengeance she desires. But a killer is loose within the Church’s halls, the bloody secrets of Mia’s past return to haunt her, and a plot to bring down the entire congregation is unfolding in the shadows she so loves.

Will she even survive to initiation, let alone have her revenge?

 
Dieses Lied spiele ich selbst auf Klavier und finde es einfach so mega creepy, so ein richtiges Lied, das Dunkelheit und Nebel unterstreichen kann, und daher irgendwie so ideal für dieses Buch war.

 
Manchmal werden Bücher zu einem kleinen Zuhause, so etwas, wo man sich einfach heimisch fühlt, wo sich die Charaktere schon nach kurzer Zeit anfühlen, als würde man sie schon ewig kennen. Geschichten, bei denen man kleine Insiderwitze nach wenigen Seiten versteht, ein kleines, eingeschworenes Team mit dem Schreibstil wird und irgendwie sich richtig wohl zwischen Tinte und Papier fühlt. In gewissem Sinne ist Nevernight so ein Buch, wobei ich die Geschichte an sich nicht als gemütlich, harmonisch oder warm bezeichnen, was aber ja eigentlich die Attribute sind, mit denen man ein Zuhause beschreibt. Stattdessen ist das Buch auf eine ganz subtile, dunkle, fast schon ironische Weise heimisch und vertraut. Und genau das habe ich daran geliebt.


In dem Buch geht es um die sechzehnjährige Mia Covere die in einer fiktionalen Welt lebt, in der es nie Dunkel wird und in der ihr Vater als Staatsfeind hingerichtet wurde als sie selbst noch ein Kind war. Nun möchte Mia seinen Tod rächen und sich dafür an der Assasinschule der Göttin des Mordes ausbilden lassen. 


Wenn man dieses Buch aufschlägt, wird man durch wunderschöne Karten und Zeichnungen sogleich in die Welt gezogen, verzaubert von ihren Details und Anmerkungen, und fühlt sich im Handumdrehen heimisch. Denn diese Geschichte spielt in einer Welt, in der drei Sonnen den Himmel erhellen, und es nur alle Jubeljahre mal dunkel wird, und es keine Tage, sondern nur turns gibt, die von Nevernights umrahmt werden. In dieser Welt, die ein mittelalterliches Flair einer europäischen Hafenstadt hat, herrscht ein an Rom orientierter Senat über die Menschen, und es wird an Götter geglaubt, die sich gegenseitig vom Himmel verbannen. 



Dies ist noch lange nicht alles, was diese Welt ausmacht, zeigt aber jetzt schon, dass sich Jay Kristoff wirklich viel Mühe beim Erstellen dieser Welt gegeben hat. Mit so viel Komplexität und vielen kleinen Details zeichnet er eine faszinierende Fantasywelt, die auch nach dem Ende des Buches noch so viel zu erkunden offen lässt, dass ich es kaum erwarten kann, im zweiten Teil dorthin zurückzukehren, was allerdings auch daran liegt, dass dieses Buch mit irgendwie ein bisschen an Hogwarts erinnert hat, an ein dunkles, kaltes und blutiges Hogwarts, wo man statt Freundschaft Hass und Misstrauen lernt, und dunkle Magie und die Kunst des Tötens auf dem Stundenplan stehen, aber dennoch eine Schule, an der Freundschaften entstehen, man an seinen Aufgaben wächst und so viel über sich selbst lernt. 


Besonders hervorheben möchte ich auch den Schreibstil der Geschichte, der dem Buch einfach den Charakter einer alten, dunklen Erzählung gibt, durch Fußnoten kleine Extrainformationen gibt und mit wunderbaren Kommentaren den Leser zu fesseln und zu unterhalten weiß. Und gerade der Prolog und Epilog hatten hier definitiv Gänsehautpotenzial!


Dazu kommt, dass die Geschichte mich einfach an Harry Potter erinnert hat, dies allerdings nur in dem Sinne, dass ein Großteil des Buches von der Assasinschule erzählt. Von dem Unterricht in den verschiedenen Hallen, von den schier unmöglichen, tödlichen Aufgaben, die die Schüler bestehen müssen, und vor allem von den Geheimnissen, die in ihren Ecken lauern. Überall findet man ein neues tödlichen, gefährliches Mysterium, welches es so lösen gilt, und trotzdem geht es auch hier um Vertrauen, sich selbst finden und nicht verlieren, und sogar um Schulnoten. Das alles aber in eine dunkle, blutige und unglaublich ironisch erzählte Geschichte verwoben, die nicht vor graphischen Beschreibungen und Schimpfwörtern zurückscheut. Dadurch wirkt die Geschichte irgendwie erwachsen. Denn unsere Charaktere sammeln sexuelle Erfahrungen, bezeugen oder begehen Morde und fluchen, was das Zeug hält. Aber irgendwie fand ich genau das gut, dieser Erwachsene Umgang obwohl es eigentlich ein YA Buch ist, dieser gewisse Hauch von Seriosität und das Versprechen, sich nicht in unnötigen Drama zu verlieren.


Hier möchte ich auch sehr lobend erwähnen, dass auch Dinge wie Menstruation, das erste Mal und Sexismus angesprochen werden, was mir in zu vielen Fantasybüchern einfach fehlt. Auch fand ich die Liebesgeschichte sehr gut gemacht, da sie von einer Beziehung erzählt, in der es um Erfahrung machen geht, um gegenseitige Hilfestellung und tiefe Verbundenheit, allerdings wird diese nicht sofort als große Liebe beschrien und es gibt genügend Raum, um die genauen Gefühle zueinander einzuordnen, und besonders hier hat mir die finale Lösung überraschend gut gefallen.


Dies lag allerdings auch an den vielen tollen Charakteren. Mia hat sich innerhalb weniger Seiten sofort in mein Herz gespielt. Ich mochte ihre trockene, ironische Art, ihre Sturheit und doch ihre Unsicherheit, die sie sich nie anmerken lassen wollte. Ich fand es schön, wie ihre Vorgeschichte sich durch das Buch spannt und nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch wunderbar mit der eigentlichen Geschichte verknüpft wurde. Meiner Meinung nach ist Mia ein Charakter, der eine gewisse Vorbildfunktion einnimmt, Fehler machen darf und für viele junge Mädchen bedeutend sein könnte, in dem Sinne, dass sie so echt und greifbar ist. Durch Mia können Themen wie erste sexuelle Erfahrungen, der eigene Körper, erste Gefühle, Erwachsen werden und sogar Sexismus thematisiert werden, alles Punkte, die ich gerne öfter in Fantasy Büchern derart gut verarbeitet sehen würde. Ein weiterer Pluspunkt ist ihr ironische Art und vor allem ihre Beziehung zu Mister Kindly, ihren Schatten mit dem sie einfach eine Menge genialer Wortgefechte hat!


Aber auch die Nebencharaktere haben mir durchweg gut gefallen. Tric zeigt schnell, dass er viel mehr sein kann als ein blasser, männlicher Kompane und überzeugt mit vielen kleinen Überraschungen, viel Tiefgründigkeit und einem stürmischen Temperament. Insgesamt fand ich jede noch so kleine Nebenrolle gut genutzt und ausgearbeitet, sodass gerade am Ende viel Platz für den einen oder anderen schockierenden Plottwist war, den ich nicht vorausgesehen hatte.


Sowieso entwickelt sich das Buch zum Ende zu einem wahren Pageturner, denn war es vorher eher ein gemäßigtes Tempo, das stellenweise fast schon etwas zu langsam war, so waren die letzten hundert Seiten eine Achterbahnfahrt, die mich nach jeder Kurve mit einem neuen Plottwist schocken konnte und auch am Ende keinen Halt gemacht hat vor dem einem oder anderen Toten, und einem Ende, welches zwar keinen bösen Cliffhanger hat, aber dennoch danach verlangt, sofort weitererzählt werden zu wollen.


Insgesamt bin ich mit der Erwartung an Nevernight herangetreten, ein Fantasybuch zu bekommen, in dem es um typische Schlachten und Machtspiele geht. Und um die geht es, und auch an Blut fehlt es dem Buch ganz und gar nicht…und dennoch habe ich etwas Besseres bekommen: Eine faszinierende, vielschichtige, wunderschön erzählte Geschichte die uns in ein groteskes, dunkles und vor allem blutiges Hogwartssetting entführt, um zusammen mit unseren Charakteren eine Schulung in Sachen Tod zu bekommen. In einer Welt, in der die Sonnen nie untergehen und die Schatten sprechen, in einer Geschichte, in der wichtige Themen zusammen mit blutiger Aktion vermischt sind, mit Charakteren, die mich mit Witz, Verstand und Authensität überzeugt haben. Das wünsche ich mir definitiv von mehr Fantasybücher, insbesondere im Jugendbereich! Dafür vergebe ich 5 Sterne.
 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen